Ira von Kunhardt

Strahlende Farben

FarbenDie vielfältigen Bilder von Ira von Kunhardt bestechen durch strahlende Farben in raffinierten Kombinationen. Denn Kunhardt benutzt die Farben nicht nur leidenschaftlich, sondern auch mit viel Verstand. Für die Diplomarbeit vertiefte sie sich in die Farbtheorien von Goethe und den Bauhauslehrern Albers, Itten und Kranz und erforschte die Wirkung in ihren Bildern.

Isolierte Details werden in neue, große Acrylgemälde verwandelt. Es sind abstrakte Farbkompositionen, auch wenn das Ausgangsmotiv der Hafen oder ein Stillleben war. Wichtig ist die reich differenzierte, malerische Oberfläche, die immer wieder auch grafisch überarbeitet wird. Gern wirft sich Ira von Kunhardt für eine Auftragsarbeit auf ein neues Thema. Dann malt sie konkrete, figürliche Bilder wie Elefanten in Afrika oder Strandkörbe auf Sylt.

Erschienen am 26. Juni 2003 im Hamburger Abendblatt

Rätsel raten mit sich selbst

… dazu fordert Ira von Kunhardt mit ihren abstrakten Bildern heraus. Oft steht sogar für sie selbst am Anfang nicht fest, was am Ende herauskommt.

Von Sara SelloPalette

„Bei mir muss es sehr schnell gehen mit der Malerei!" Deshalb nimmt Ira von Kunhardt grobe Spachtel und Pinsel und lässt die unteren Farbschichten sichtbar. „Meine Bilder sind nicht vorher konzipiert. Ich reagiere auf das, was ich gerade gemacht habe.“ So überzeugt ihre Malerei durch Spontaneität. Und doch findet zu jeder Zeit eine analytische Kontrolle statt.

In ihrem Studium beschäftigte sie sich besonders mit der Wirkung der Farben. Sie hatte damals die Atelierwand mit allerlei Zitaten zur Farbtheorie vollgehängt, von modernen Wissenschaftlern, aber auch den Bauhausmeistern und natürlich von Goethe. Ihre Theorien wurden von Ira von Kunhardt praktisch umgesetzt und auf Stimmigkeit getestet. Mit Hilfe des Computers erprobte sie in der Diplomarbeit neue Wege: Sie scannte Ausschnitte ihrer intuitiven Skizzen ein, abstrahierte sie und veränderte die Farbigkeit („was wäre wenn...?“). Daraus entwickelte sie farbige Quadrate auf Pappe (30 x 30 cm, denn das Quadrat ist nach Josef Albers „die reinste Form“). Diese experimentellen Studien verwahrt die pfiffige Malerin penibel beschriftet in unzähligen Pizzaschachteln.

Einige der kleinen Versuche setzte von Kunhardt im Großformat auf Leinwand um. Drei solcher Gemälde sind in der Ausstellung auf der Kunsttreppe zu sehen. (Es ist übrigens für Ira von Kunhardt die erste Einzelausstellung.) Doch auch die anderen Pizzaschachteln sind ein unerschöpflicher Fundus, aus dem sich schöpfen und variieren lässt.

Am schwierigsten ist der Anfang: Manche Maler können davon ein Lied singen. Erst wenn viele Schichten übereinander liegen und die Komposition beim Malen eine eigene Dynamik entwickelt, wird von Kunhardt so richtig frei. Am Schluss gerät sie in eine Phase der gesteigerten Konzentration, in der sie alles um sich herum vergessen kann –, und schon ist das Bild fertig.

Farben

Es ist kaum zu glauben, wie die Mutter von zwei Kindern, Lukas und Lara, es schafft, „nebenher“ so produktiv zu sein! Zum Glück malen die Kinder auch gern. Doch der künstlerische Höhepunkt sind die Sommerakademien in Paderborn: "Da tauche ich vom Alltag ab!" Oder die Zeiten, wenn Ehemann Felix die Kinder entführt und ihr eine sturmfreie Bude hinterlässt.

Als Tochter einer Malerin und Innenarchitektin und eines Arztes und Jazzpianisten ist Ira (geb. Meister) mit den Musen aufgewachsen. Sie studierte Grafikdesign und Illustration an der Fachhochschule Münster bei Wolfgang Troschke und zog mitten im Diplomstress nach Hamburg.

Ira von Kunhardt hat keine Angst, dass ihr die Themen ausgehen. Ein Stillleben, eine Landschaftsskizze oder eine Pappstudie aus den Pizzaschachteln kann ein Anstoß für ein abstraktes Bild sein. Stets geht es dabei um eine lebhafte Oberfläche mit festeren oder auch freieren Formen, oft mit wässrigen Tropfspuren, und um die grafische Überarbeitung in Ölkreide, Pastell und Bleistift. Die Wahl der Farben und Kontraste entscheidet die Stimmung des Bildes, ob ruhig oder unruhig, heiter oder ernst.

„Ich gebe meine Bilder so ungern weg!“, sagt die Künstlerin lachend. Nur bei den Auftragsarbeiten stellt sie sich von vorn herein darauf ein, dass das Bild das Haus verlässt. Diese Bilder sind in der Regel konkreter als die freien Werke. Elefanten in Afrika oder Strandkörbe auf Sylt sind hierfür gelungene Beispiele. „Mir ist wichtig, mich auf etwas Neues einzulassen“, sagt die Künstlerin voll Tatendrang. „Das ist wie Rätsel raten mit sich selbst.“

Erschienen am 28. Juni 2003 im Hamburger Abendblatt

Vita

1973geboren in Münster (Westfalen)
1991Abitur, Pelizaeus Gymnasium, Paderborn
1991-1992Werbeagentur in Münster
1992-2000Studium der Illustration an der Fachhochschule Münster
Diplom bei Prof. Wolfgang Troschke
1995-2002Jährliche Seminare für großformatige Malerei an der Sommerakademie in Paderborn bei Hans Piene, B. Fuhrmann-Mau, Prof. P. Moog, Prof. E. Skorwider, Gerda Lepke u.a.
Abschlussausstellungen im Schloss Neuhaus und Rathaus Paderborn
1996Heirat und Geburt von Lukas
1999Umzug nach Hamburg
2000Diplomausstellung FH-Design Münster „Farbe-Bild-Farbe“
Geburt von Lara
2001Dauerausstellung im Internet: www.printgalerie.de
Gruppenausstellung „St. Jacobi-Kupfer für Hamburger Künstler“
Atelier in der Forsmannstrasse 20b, Kampnagel
2002Diverse Auftragsarbeiten in Acrylmalerei
2003Ausstellung in der Kunsttreppe, Hanseviertel Hamburg; Umzug nach Potsdam
2004Umzug innerhalb Potsdams, weitere Auftragsarbeiten
2008Atelier „Kunarts“ Großbeerenstraße 97
Auftritt im Internet: www.Kunarts.de
„Zeitlos“ – Wechselausstellung, Rudolf-Breitscheid-Straße 63
2010Atelier im Kunsthaus sans titre, Ausstellung: introduction, "Farb - Töne gemalte Musik"
Localize Heimat Festival: "Zusammenspiel auf Zeit": Performance - Malerei mit zwei Musikern
Gruppenausstellung "Die sieben Todsünden", Galerie Angelika Euchner
Vermietung von Bildern für Dreharbeiten zu "Die Stein" und "Flirtcamp"
2011Auftrag Performance für E&E Information Consultants, Berlin
Ausstellung in Praxis Dr. Katharina Schramm

Ira von Kunhardt lebt und arbeitet als freie Künstlerin in Potsdam